Wie viel Farbe brauche ich? Vier typische Rechenfehler
Fläche, Anstriche, Ergiebigkeit und Gebinde: vier typische Rechenfehler beim Farbbedarf, mit durchgerechnetem Beispiel und Abrechnung nach VOB/C.

Der Farbbedarf stimmt, wenn vier Größen stimmen: die zu streichende Fläche, die Anzahl der Anstriche, die Ergiebigkeit und die Gebindegröße. Die meisten Fehler entstehen an einer dieser vier Stellen. Mit dem Farbbedarf-Rechner rechnen Sie jeden Schritt nach, die Formel steht sichtbar auf der Seite.
Dieser Beitrag rechnet ein vollständiges Beispiel durch und zeigt an jeder der vier Stellen, was typischerweise schiefgeht und wie Sie es vermeiden.
Die Rechnung in drei Zeilen
Fläche: 2 × (Länge + Breite) × Höhe − Fenster − Türen
Liter: Fläche × Anstriche ÷ Ergiebigkeit × (1 + Reserve)
Gebinde: Liter ÷ Gebindegröße, immer aufgerundet
Rechenbeispiel
Ein Raum mit 5 × 4 Metern Grundfläche und 2,50 Metern Höhe, zwei Fenster mit zusammen 2,4 m², eine Tür mit 2,0 m². Gestrichen wird zweimal mit einer Farbe, die 8 m² je Liter deckt.
- Wandfläche: 2 × (5 + 4) × 2,5 = 45,0 m²
- abzüglich Fenster und Tür: 45,0 − 2,4 − 2,0 = 40,6 m²
- Farbe: 40,6 × 2 ÷ 8 = 10,15 Liter
- mit 10 Prozent Reserve: 10,15 × 1,1 ≈ 11,17 Liter
- Gebinde zu 5 Litern: 11,17 ÷ 5 = 2,23, also 3 Gebinde
Fehler 1: Die falsche Fläche
Häufig wird die Bodenfläche des Raums mit der Wandfläche verwechselt. Die Wandfläche ergibt sich aus dem Umfang mal der Höhe. Im Beispiel sind das 45 m², nicht 20 m². Die Decke ist eine eigene Fläche, hier 5 × 4 = 20 m², und wird oft mit einer anderen Farbe gestrichen. Rechnen Sie sie deshalb in einer eigenen Zeile: Bei zwei Anstrichen und derselben Ergiebigkeit von 8 m² je Liter sind das 20 × 2 ÷ 8 = 5 Liter, also genau ein 5-Liter-Gebinde ohne Reserve. Decken werden über Kopf gestrichen; planen Sie dort eher etwas mehr Reserve ein als an der Wand.
Prüfen Sie vor dem Rechnen auch den Untergrund. Eine Wischprobe mit der Hand zeigt, ob die alte Farbe kreidet, also abfärbt. Dann ist meist eine Grundierung nötig, und die gehört als eigener Arbeitsgang in Rechnung und Angebot.
Der zweite Teil des Fehlers: Fenster und Türen werden nicht abgezogen. Im Beispiel bleiben nach dem Abzug 40,6 m². Wer nicht abzieht, kauft bei zwei Anstrichen gut einen Liter zu viel. Das ist kein großes Problem, zeigt aber, dass die Rechnung nicht stimmt.
Wichtig für Betriebe: Die Fläche, die Sie streichen, ist nicht unbedingt die Fläche, die Sie abrechnen. Ist die VOB/C vereinbart, regelt die ATV DIN 18363, die Vertragsbedingungen für Maler- und Lackierarbeiten, die Abrechnung. Danach werden Öffnungen bis 2,5 m² Einzelgröße übermessen, also nicht abgezogen. Im Beispiel liegen Fenster und Tür jeweils darunter. Die Abrechnungsfläche bleibt dann bei 45 m², die Materialfläche bei 40,6 m². Führen Sie beide Zahlen getrennt.
Fehler 2: Die Anstriche vergessen
Die Ergiebigkeit gilt je Anstrich. Wird zweimal gestrichen, verdoppelt sich der Bedarf. Im Beispiel wären es bei nur einem Anstrich rund 5,1 Liter, bei zwei Anstrichen 10,15 Liter. Wer mit einem Anstrich plant und zweimal streicht, steht mitten im Auftrag ohne Farbe da.
Klären Sie vorab, wie viele Anstriche das Produkt laut Technischem Merkblatt braucht. Das Merkblatt ist das Datenblatt des Herstellers mit Verbrauch, Untergrund und Verarbeitung. Ein starker Farbwechsel oder ein fleckiger Untergrund kann einen weiteren Anstrich erfordern. Eine Grundierung ist ein eigenes Produkt mit eigener Ergiebigkeit und gehört als eigene Zeile in die Rechnung.
Fehler 3: Die Ergiebigkeit falsch lesen
Zwei Dinge gehen hier häufig schief. Erstens wird die Einheit verwechselt: Die Ergiebigkeit steht in Quadratmetern je Liter (m²/l). Manche Angaben nennen stattdessen den Verbrauch in Litern je Quadratmeter (l/m²). Die beiden Angaben sind Kehrwerte voneinander: 8 m²/l entsprechen 0,125 l/m².
So weit liegt der Fehler daneben
- richtig: 40,6 m² × 2 ÷ 8 m²/l = 10,15 Liter
- falsch, 0,125 als Ergiebigkeit genommen: 40,6 × 2 ÷ 0,125 = 649,6 Liter
- richtig mit Verbrauch: 40,6 m² × 2 × 0,125 l/m² = 10,15 Liter
Zweitens gelten Herstellerangaben für einen glatten, normal saugenden Untergrund. Raufaser, Putz mit Struktur oder stark saugende Flächen verbrauchen mehr. Eine Reserve im Rechner fängt das ab. Wie hoch sie sein sollte, hängt von Ihrer Erfahrung mit dem Untergrund ab. Notieren Sie nach jedem Auftrag den tatsächlichen Verbrauch; nach einigen Aufträgen kennen Sie Ihre Werte.
Die eigene Ergiebigkeit ermitteln
Wer oft auf demselben Untergrund arbeitet, kann die tatsächliche Ergiebigkeit selbst bestimmen. Wiegen Sie den Eimer vor und nach dem Streichen einer abgemessenen Fläche. Die Dichte der Farbe, also das Gewicht je Liter, steht im Technischen Merkblatt.
Rechenbeispiel mit angenommenen Werten
- gestrichene Probefläche: 3,0 m², ein Anstrich
- Eimer vorher 12,40 kg, nachher 12,00 kg: verbraucht 0,40 kg
- Dichte laut Merkblatt, angenommen: 1,5 kg je Liter
- Verbrauch: 0,40 ÷ 1,5 = 0,27 Liter
- Ergiebigkeit: 3,0 ÷ 0,27 = rund 11 m² je Liter
Liegt Ihr Wert deutlich unter der Herstellerangabe, ist der Untergrund rauer oder saugender als angenommen. Rechnen Sie dann mit Ihrem Wert oder einer höheren Reserve.
Fehler 4: Beim Gebinde abrunden
Farbe gibt es nur in ganzen Gebinden. Für 10,15 Liter reichen zwei 5-Liter-Gebinde nicht, es braucht ein drittes. Rechnen Sie deshalb immer auf. Ob eine Kombination besser passt, sehen Sie an der Restmenge:
| Kombination | Menge | Rest |
|---|---|---|
| 3 × 5 Liter | 15,0 Liter | 4,85 Liter |
| 2 × 5 Liter + 1 × 2,5 Liter | 12,5 Liter | 2,35 Liter |
| 1 × 10 Liter + 1 × 1 Liter | 11,0 Liter | 0,85 Liter |
Welche Kombination günstiger ist, entscheidet der Preis je Gebinde. Mit Reserve von 11,17 Litern reicht die letzte Kombination nicht mehr. Beim Nachkauf kann der Farbton zwischen zwei Chargen leicht abweichen. Kaufen Sie deshalb für zusammenhängende Flächen möglichst alles auf einmal und prüfen Sie die Chargennummer auf dem Gebinde.
Vom Rechenweg ins Angebot
Wenn Sie Wandfläche, Abzüge, Anstriche, Ergiebigkeit und Gebindegröße notieren, bevor Sie bestellen, vermeiden Sie die meisten Fehler. Im Betrieb lohnt es sich, diese Werte direkt im Angebot festzuhalten. So sieht jeder, mit welchen Annahmen gerechnet wurde, und eine Nachfrage des Kunden ist schnell beantwortet.
Das ist einer der Gründe, warum Angebote im ersten der fünf Schritte vom Zettel zum System aus festen Bausteinen entstehen. Ein Baustein „Wand streichen, zwei Anstriche“ enthält dann Einheit, Materialmenge je Quadratmeter und Arbeitszeit. Den Preis für die Arbeitszeit leiten Sie aus Ihrem Stundensatz ab, wie im Ratgeber Stundenverrechnungssatz berechnen: Schritt für Schritt auf stundenverrechnungssatzrechner.de beschrieben.
Checkliste: vor der Farbbestellung
Zum Abhaken beim Lesen oder Planen. Die Häkchen werden nicht gespeichert.
Häufige Fragen
Wie viel Farbe brauche ich für 10 Quadratmeter?
Bei zwei Anstrichen und einer Ergiebigkeit von 8 Quadratmetern je Liter sind es 10 × 2 ÷ 8 = 2,5 Liter, ohne Reserve. Mit einem anderen Produkt ändert sich das Ergebnis, denn die Ergiebigkeit steht für jede Farbe einzeln auf dem Gebinde oder im Technischen Merkblatt.
Muss ich Fenster und Türen abziehen?
Für die Materialmenge ja, denn dort wird keine Farbe aufgetragen. Für die Abrechnung gilt, was im Vertrag vereinbart ist. Ist die VOB/C vereinbart, werden bei Malerarbeiten nach ATV DIN 18363 nur Öffnungen über 2,5 Quadratmeter Einzelgröße abgezogen, kleinere werden übermessen.
Was bedeutet Ergiebigkeit?
Die Ergiebigkeit gibt an, wie viele Quadratmeter ein Liter Farbe bei einem Anstrich deckt, zum Beispiel 8 Quadratmeter je Liter. Sie gilt für einen glatten, normal saugenden Untergrund. Der Verbrauch ist der Kehrwert: 8 Quadratmeter je Liter entsprechen 0,125 Liter je Quadratmeter.
Wie viele Anstriche sind nötig?
Das steht im Technischen Merkblatt des Produkts. Häufig sind es zwei. Bei einem starken Farbwechsel, etwa von Dunkel auf Hell, oder auf stark saugendem Untergrund kann mehr nötig sein. Eine Grundierung ist ein eigener Arbeitsgang mit eigenem Material.
Was mache ich mit der Restfarbe?
Beschriften Sie das Gebinde mit Raum, Farbton und Chargennummer und lagern Sie es frostfrei. So haben Sie für Ausbesserungen denselben Farbton. Wie Sie Reste entsorgen, die Sie nicht mehr brauchen, erfahren Sie beim Wertstoffhof oder der Abfallberatung Ihrer Gemeinde.
Quellen und Stand
Stand der Angaben: . Gesetze, Verordnungen und Normen ändern sich; prüfen Sie vor einer Entscheidung die jeweils aktuelle Fassung. Dieser Beitrag ist allgemeine Information und keine Rechts- oder Steuerberatung.
- VOB Teil C, ATV DIN 18363 Maler- und Lackierarbeiten – Beschichtungen, Abschnitt 5: Abrechnung: Abzug von Aussparungen über 2,5 m² Einzelgröße; maßgeblich ist die im Vertrag vereinbarte Fassung